top of page

2026 Jordanien

vor 11 Minuten
16 Min. Lesezeit
  1. - 15. Oktober 2026


Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Unsere im April geplante Reise nach Jordanien holten wir nun nach. Die Lage im arabischen Raum hat sich in den letzten Wochen ein wenig stabilisiert, sodass wir uns entschlossen, die Reise nun anzutreten. Cornelia hat die Reiseplanung wie immer perfekt organisiert.


Ein paar Eckdaten zu Jordanien:

- mit 89’000 m2 gut 2x so gross wie die Schweiz

- Einwohner rund 12 Mio.

- Hauptstadt Ammann, 1,2 Mio. Einwohner

- Staatsoberhaupt: König Abdullahh II. seit 1999

Das Land liegt eingequetscht zwischen Israel, Palästina, Saudi-Arabien, Iraq und Syrien (und eine kurze Meergrenze am Roten Meer zu Ägypten) und hat deshalb in den vergangenen Jahrzehnten schon viele Krisen erlebt. Auch dank des diplomatischen Geschicks des Königs, ist es trotz des Krieges in der Region in den letzten Monaten ruhig geblieben. Aber wegen der unruhigen Lage in der Region bleiben die Touristen aus und die Arbeitslosigkeit ist deshalb sehr gross.


1. Tag, Donnerstag, 1. Oktober 2026


Wir treffen Cornelia kurz nach 12.00 Uhr am Flughafen Zürich. Der Flug mit Jordanian Air ist für 15.30 Uhr vorgesehen. Also ist genügend Zeit vorhanden. Vor dem Boarding kommen wir mit einer Familie aus Affoltern am Albis ins Gespräch. Martina und Bruno und drei Kinder – zwei Söhne und eine Tochter – im Teenageralter. Martina ist Spezialistin für Jordanienreisen. Sie war schon x-mal dort und organisiert selber Gruppenreisen durch das Land. Sie gibt uns Tipps für die Reise, wovon wir sicher profitieren können. Die Boarding-Zeit rückt näher, das Flugzeug steht bereit, aber das Personal telefoniert laufend, informiert aber nicht, einzig auf dem Bildschirm wird die Boarding-Zeit immer nach hinten verschoben. Irgendwie sickert durch, dass es sich um technische Probleme am Flugzeug handle! Um 17.30 Uhr die Nachricht, der Start sei morgen um 06.00 Uhr. Na Bravo!!Also am Schalter anstehen für Hotelzuweisung, B&B Hotel Rümlang, dann Gepäck abholen, der Rucksack von Cornelia fehlt! Passt alles zusammen! Nach 20 Minuten haben wir alles. Wir suchen den Shuttlebus zum Hotel, ist natürlich schon voll, also nächster Bus und um 19.30 Uhr sind wir endlich im Hotel. Um 21.00 Uhr kommt das Catering mit dem Nachtessen und dann ab ins Bett.


2. Tag, Freitag, 2. Oktober 2026


Um 04.00 Uhr ist Tagwache und um 04.40 Uhr steigen wir in den Shuttlebus. Da meldet jemand, der Flug sei erst um 12.00 Uhr. Wir können nicht mehr aussteigen, also geht’s zum Flughafen. Was nun? Im Flughafen rumhocken oder nochmals zum Hotel zurück? Also mit Uber zum Hotel zurück, um nochmals ein paar Stunden zu schlafen. Wo ist mein Handy?? Natürlich im Uber liegengelassen!! Nach 20 Min. habe ich das Handy zurück, ab ins Bett, das noch warm ist. Um 09.00 Uhr gibt’s ein ausgiebiges Morgen Buffett. Mit Shuttlebus zum Flughafen und Gepäck wieder einchecken. Am Boardingschalter ist kein Personal zu sehen, wohl ein schlechtes Zeichen. Irgendwann sickert durch, der Flug sei auf 15.00 Uhr verschoben. Offizielle Info = null! Um 15.00 Uhr erscheint jemand und meldet, der Flug sei abgesagt! Na ja! Cornelia checkt Möglichkeiten ab und Martina übernimmt dann die Reiseleitung für uns, ihre Familie und ein älteres Ehepaar, total 10 Personen. Dann Gepäck wieder abholen und Martina meint, dass alle einen Flug nach Amman via Istanbul hätten, ist aber noch nicht bestätigt. Sieht schlecht aus! Dann geht’s plötzlich rasch, Reisegruppe Moser hat 3 Plätze für den Flug via Istanbul. Schnell Gepäck einchecken, uns von den andern verabschieden und auf geht’s zum Boarding. Mit Pegasus heben wir um 16.30 Uhr ab und erreichen Istanbul nach 2 ½ Std. Hier haben wir 6 Std. Aufenthalt, essen, Reiseführer studieren und sonst irgendwie die Zeit totschlagen. Von Martina vernehmen wir, dass der Rest der «Reisegruppe» mit dem Zug nach Basel fuhr, mit Bus zum Flughafen, um dann via Wien nach Amman zu gelangen. Dort werden sie ein paar Minuten vor uns eintreffen. Wir starten um 01.30 Uhr und um 04.00 Uhr sind wir endlich am Ziel, mit rund 33 Std. Verspätung! Mit Uber geht’s zum Hotel und um 05.00 Uhr müde, aber zufrieden im Bett.


3. Tag, Samstag, 3. Oktober 2026


Ammann – Jerash – Madaba                            135 km

Nach knapp 3 Std. Schlaf ist um 08.00 Uhr schon Tagwache. Mit Uber fahren wir zur Autovermietung und fassen unser Auto, einen Toyota. Wir fahren rund 50 km in Richtung Norden nach Jerash. Das antike Jerash gilt als eine der besterhaltenen römischen Siedlungen weltweit und ist nach Petra die zweitwichtigste Touristenattraktion Jordaniens. Zu Fuss erkunden wir diese antike Stätte. Die beiden Amphitheater sind sehr beindruckend, ebenso die Säulenstrasse. Ein Höhepunkt ist der Artemis-Tempel. Von den einst 32 Tempelsäulen ragen noch elf an ihrem ursprünglichen Platz auf. Unglaublich, was die Römer vor rund 2000 Jahren gebaut haben und vor allem, wieviel davon noch erhalten geblieben ist. Nach dem ausgiebigen Rundgang verpflegen wir uns beim Libanesen. Wir fahren wieder südwärts, auf guten Strassen, nach Madaba. Cornelia hat ein Guesthouse direkt in der Altstadt reserviert. Hier ist es gar nicht einfach, einen Parkplatz zu finden. Unser netter Gastgeber Omar hilft uns aber dabei. Madaba ist die Stadt der Mosaike. Einen Stadtrundgang werden wir morgen machen. Nach dem Willkommenstee offeriert uns Omar (er ist Christ) auf der Dachterrasse, mit Sicht auf die Moschee, einen Weisswein aus Jordanien, Jahrgang 2010! Na ja, bei uns würde er vielleicht noch knapp zum Kochen benützt!! Aber es war eine nette Geste! Nach dem Nachtessen machen Cornelia und ich noch einen kleinen Rundgang durch die quirlige Altstadt und dann geht’s früh ins Bett.


4. Tag, Sonntag, 4. Oktober 2026


Madaba – Berg Nebo – Ma’in Ho Springs – Hammamat/Totes Meer                 59 km 

Nach einem reichhaltigen Morgenessen verabschieden wir uns von unserem charmanten Gastgeber Omar und machen uns auf einen Rundgang.  Alle Sehenswürdigkeiten sind in einem Umkreis von wenigen hundert Metern hier in der Altstadt. In den letzten 100 Jahren wurden viele alte Mosaike unter abgerissenen Häusern gefunden. Viele davon sind im archäologischen Park zu bewundern. In verschiedenen Gebäuden geht man auf erhöhten Stegen und kann so die Mosaike besser sehen. Viele Mosaike sind über 2000 Jahre alt. Viele dargestellte Tiere wurden leider entfernt oder ersetzt, weil im 8. Jahrhundert Bilddarstellungen von Lebewesen verboten wurden. Ein kleines Abenteuer war der steile Aufstieg auf den Turm der katholischen Kirche. Auf der sehr engen Plattform hatten wir eine herrliche Aussicht über die Stadt mit rund 70'000 Einwohnern. Einen letzten Abstecher machen wir in die christlich-orthodoxe Kirche. Hier das Highlight von Madaba: Das Madaba-Mosaik ist die älteste im Original erhaltene kartografische Darstellung Palästinas beiderseits des Jordans und Unterägypten. Leider ist nur noch ein Rest der Karte vorhanden, aber dieser Rest ist faszinierend, vor allem Jerusalem mit der Stadtmauer. Rund 10 km ausserhalb von Madaba ist der Mount Nebo, der vor allem Bibelkundigen ein Begriff sein wird. Von hier aus sah Moses das gelobte Land, ohne es jemals zu betreten. In der Kirche sind schöne, restaurierte Mosaike zu bewundern. Vom Mount Nebo aus sehen wir erstmals das Tote Meer. Es ist etwas dunstig, sonst könnte man Jericho und sogar Jerusalem sehen. Eine kurvenreiche, aber gut ausgebaute Strasse führt uns nach Hammamat Ma’in (auch Ma’in Hot Springs), eine spektakuläre Oase in einer tiefen Schlucht, 264 m unter dem Meeresspiegel. Heisse Wasserfälle, 45 – 60 Grad warm stürzen in Badebecken. Bei 60 Grad ist es dann allerdings bereits zu heiss zum Baden. Wir geniessen die warmen Quellen, die vor allem eine heilende Wirkung für Gelenkschmerzen oder Hauterkrankungen haben sollen. Nach dem Bad fahren wir die kurvenreiche Strasse wieder hoch und wieder hinunter ans Tote Meer. Wir checken im Samarah Dead Sea Resort ein. Es hat nur sehr wenige Gäste hier. In diesem grossen Resort gibt es kein Restaurant, deshalb gehen wir nebenan ins Hotel Marriott zum Nachtessen. Hier ist ein Riesenauflauf, da in der Gegend irgendein Kongress stattfindet. Trotzdem essen wir gut und viel. Nach dem Essen verschlägt es uns noch in die Bar zum Schlummertrunk. Am Anfang ist noch tote Hose, aber dann räblets. Unglaublich wie die Barkeeper herumwirbeln und Getränke rauslassen. Aber alles mit einer guten Laune. Gleichzeitig können wir auf zwei grossen Bildschirmen zwei Fussballmatches verfolgen, Griechenland – Deutschland 0 : 0 und Portugal – Norwegen 2 : 1. Müde vom heutigen ereignisreichen Tag geht’s bald ab ins Bett.


5. Tag, Montag, 5. Oktober 2026


Totes Meer

Heute ein weiterer Höhepunkt unserer Reise, baden im Toten Meer. Zuerst stärken wir uns mit einem kleinen Morgenessen am Pool.

Das Tote Meer befindet sich auf dem tiefsten Punkt der Erde, 430 m unter dem Meeresspiegel. Das Gewässer ist 75 km lang und 16 km breit. Der Salzgehalt ist mit etwa 30 % fast zehnmal so hoch wie die anderen Meere. Jährlich sinkt der Wasserstand um fast einen Meter, weil die Zuflüsse aus dem Jordan als Trinkwasser oder für die Landwirtschaft abgefangen werden. Zudem verbrauchen die jordanischen und israelischen Industrieanlagen am südlichen Ende grosse Mengen an Wasser.

Vom Resort aus führt ein Weg rund 40 Höhenmeter hinunter zum kleinen Sandstrand. Es hat ein paar Liegestühle und wir sind praktisch allein. Jetzt kommt der grosse Moment, trägt mich das Wasser und kann man so Zeitung lesen, wie man es auf Bildern immer sieht? Ja, es geht, obwohl es mich beim ersten Versuch gleich kehrt und unsere «Schweizer Illustrierte» nass wird. Aber der zweite Versuch gelingt, das Foto ist im Kasten! Bei den Frauen klappts auf Anhieb, schon speziell der Auftrieb! Dann reiben wir uns mit grauem Schlamm ein, der am Ufer liegt und in Kübeln vom Hotel bereitgestellt ist. Sieht cool aus und soll gesund für die Haut sein. Am Nachmittag geniessen wir unseren Pool mit herrlichem Ausblick auf das Tote Meer. Nur ein e Handvoll Leute sind am Pool. Gegen Abend gehen wir nochmals an den Strand, nun hat es immerhin gegen 20 Personen hier. Zum Nachtessen gehen wir wie gestern ins Marriott.


6. Tag, Dienstag, 6. Oktober 2026


Hammamat/Totes Meer – Al Karak – Petra                           266 km             

Um 09.00 Uhr auschecken und dann fahren wir auf der Küstenstrasse dem Toten Meer entlang. Hier geraten wir zum ersten Mal in eine Polizeikontrolle, die immer gleich ablaufen. Aus welchem Land kommt ihr? Switzerland. Woher? Switzerland. Aha (wohl keine Ahnung, wo und was das ist). Willkommen in Jordanien. Danke. Dann müssen wir den Fahrzeugausweis zeigen und können weiterfahren. Heute kommen wir mindestens viermal in eine Kontrolle. Wieso? Keine Ahnung, vielleicht weil Israel so nah ist. Bei einer kleinen Kaffee-Hütte genehmigen wir uns einen Kaffee. Gemäss Google Maps werden hier Salzsäulen als Sehenswürdigkeit angepriesen, aber keine Spur davon! Wir fahren den Berg hoch mit vielen Kurven, aber auf einer sehr gut ausgebauten Strasse. In Kerak machen wir halt auf rund 900 m, wir haben also vom Toten Meer her fast 1'300 Hm gemacht. Das Stadtbild wird von der imposanten Kreuzfahrerburg beherrscht, die rund 1'000 Jahre alt ist. Wir besichtigen die Festung, ist aber nichts Besonderes, muss man nicht unbedingt gesehen haben. In einer einheimischen Beiz bestellen wir zwei Menüs, sehr gut und genug, aber Anfängerfehler, wir haben nicht nach dem Preis gefragt! Und so werden wir hier wohl um ca. SFr. 10.—über den Tisch gezogen. Ab jetzt immer wieder bei jeder Dienstleistung oder im Restaurant nach dem Preis fragen. Punkt! Die Gegend um Kerak ist sehr fruchtbar, sei es Gemüse oder Getreide. Wir fahren weiter ins Landesinnere und die Gegend wird immer öder, wie eine Mondlandschaft. Auf dem Desert Highway und später auf dem Kings Highway kommen wir zügig voran. Gegen Abend kommen wir in Petra an und vor dem Hotelbezug besuchen wir etwas ausserhalb Little Petra. Eine enge Schlucht, und ein Vorgeschmack, was uns morgen vom richtigen Petra erwartet.

 

7. Tag, Mittwoch, 7. Oktober 2026


Petra

Heute ist wohl der Höhepunkt unserer Jordanienreise. Petra ist eines der 7 Weltwunder der Neuzeit. Tagwache um 05.15 Uhr, wir wollen die ersten sein, wenn die Tore um 06.00 Uhr geöffnet werden. Aber ausser ein paar Souvenier-Verkäufer kein Mensch zu sehen. Ja, seit gestern öffnet das Visite-Center erst um 06.30 Uhr. Na ja, kleine Souvenirs kaufen, eine Dächlikappe (etwas überteuert!!) und warten. Dann öffnen sich die Tore – der erste Teil der rund 2 km lange Strecke bis zur berühmten Schatzkammer ist unterteilt in einen breiten Weg für Touristen und in einen Weg für Pferde, auf denen Touristen die Strecke hoch zu Ross zurücklegen können. Der zweite Teil geht in eine Felsspalte, die immer enger wird und die Felsen auf beiden Seiten immer höher in den Himmel ragen. Dann kommt der grosse Wow-Effekt! Das Schatzhaus, ein 2000 altes Bauwerk, 43 m hoch und vollständig aus den Sandstein-Felsen gehauen. Der erste Blick auf das Bauwerk ist überwältigend. Aber es geht noch weiter. Das Petra-Gebiet ist weitläufig und besteht aus weiteren dutzenden Bauwerken. Durch eine weitere Schlucht sind meisterhaft Bauwerke aus derselben Epoche zu bestaunen. Wahnsinn, was das Nabatäer-Volk vor rund 2000 Jahren hier erschaffen hat. Neben den Königsgräbern, dem vollständig in die Felsen gehauenen Amphitheater und der Kirche mit Mosaiken und und und! Dann steigt der Weg und es sind über 800 Stufen zu erklimme bis zum Kloster. Möglich wäre das auch mit einem Eselsritt, aber nein danke. So steigen wir Meter um Meter, wir sind praktisch allein unterwegs. Oben angekommen, das Kloster, das grösste Gebäude in Petra, 47 m breit und 48 m hoch. Einfach nur imposant. Wir picknicken hier und ich steige noch ein paar Meter weiter hoch zu einem Aussichtspunkt, aber viel sehe ich nicht, es ist dunstig. Der Abstieg zieht sich hin, und es ist heiss. Auf der Ebene schauen Cornelia und ich noch ein Gebäude an und Doris geht weiter. Ein paar Minuten später wo ist Doris, eine kleine Suchaktion beginnt und nach einer kurzen Hektik Phase sind wir wieder vereint! Gemeinsam geht’s zum Hotel zurück zum Ausruhen und zum Nachtessen. Petra by Day ist imposant, aber Petra by Night muss man auch gesehen haben. Cornelia und ich marschieren nochmals zur Schlucht. Der Weg ist mit Papierlaternen mit echten Kerzen beleuchtet. Eine mythische Stimmung! Vor dem Schatzhaus hat es weitere Laternen und Stühle sind aufgereiht. Ein Flötenspieler begleitet die farbige Beleuchtung. Danach erzählt eine Lasershow die Geschichte von Petra. Notabene wurde Petra 1812 von einem Schweizer – Johann Ludwig Burckhardt - wieder entdeckt, der sich als Beduine verkleidete und Einheimische überzeugt hat, ihm die Ruinen zu zeigen. Wieder zurück im Hotel fielen wir todmüde, aber zufrieden in unsere Betten.PS: Der Schrittzähler zeigt für heute rund 37'000 Schritte!!


8. Tag, Donnerstag, 8. Oktober 2026


Petra – Wadi Rum                                                    111 km

Cornelia hat noch nicht genug von Petra und geht am Morgen nochmals zur Schlucht, da um ca. 09.00 Uhr die Sonne auf das Schatzhaus scheint, nochmals Fototime ist angesagt. Doris und ich haben gestern genug gesehen und bleiben im Hotel. Dann ist ein Einkauf angesagt und weiter geht’s, zuerst auf der King Road und dann auf der Autobahn, dem Desert Highway nach Wadi Rum. Auf dem Highway hat es viele Camions, die ab Hafen Aqaba Richtung Norden Güter nach Saudi-Arabien oder dem Irak transportieren. Das sind Auswirkungen der Schliessung der Strasse von Hormus. Auf den letzten km in Richtung Wüste hat es gar einen Veloweg entlang der Strasse. Für was wohl? In 14 Tagen Jordanien haben wir wohl keine 10 Velofahrer gesehen! Wir treffen im Dorf vor der Wüste auf Salman, bei dem wir 2 Tage Wüste gebucht haben. Zum Begrüssungstee gibt es Reis und Gemüse. Dann eine kurze Fahrt ins Wüstencamp, das ganz neu ist und noch nicht fertig gebaut ist. Wir beziehen unseren Zelt-Dom und erholen uns. Die Aussicht durch das Panoramafenster ist grandios. Um 20.00 Uhr ist das Nachtessen angesagt. Alle Gäste, vielleicht ein Dutzend, treffen sich am Lagerfeuer. Wir sind überrascht, dass wir die einzigen westlichen Gäste sind. Alle anderen sind aus Jordanien. Wir werden überrascht mit einem traditionellen Abendessen. In einem verbuddelten Fass wurde Kohle verteilt, dann ein Ständer mit Reis, Poulet und Gemüse hineingestellt, zugedeckt mit einer Decke und am Schluss mit Sand zu gebuddelt und so 2 Stunden garen lassen. Wirklich fein. Am Lagerfeuer bewundern wir nachher den Sternenhimmel über der Wüste.


9. Tag, Freitag, 9. Oktober 2026


Wüstencamp

Tagwache um 04.10 Uhr! Ein weiteres Highlight unserer Reise steht an. Eine Ballonfahrt über die Wüste. Salman kommt uns um 04.40 Uhr abholen. Zurück im Dorf wechselt der Fahrer – Said, der Vater von Salmann (ca. 60 Jahre alt) und dessen – wie wir später herausfinden – 6-jährigen Sohn fahren uns zuerst aus dem Dorf auf geteerten Strassen. Das Gesicht von Said klebt fast an der Frontscheibe. Sieht er nicht gut? Irgendwann versucht er die Scheibe mit Scheibenwischwasser zu putzen. Nützt nichts, denn der ganze Dreck ist inwändig. Plötzlich hält er an und telefoniert mit Jemandem. Hm, sie wissen noch nicht, wo der Treffpunkt ist. Wir fahren zusammen mit zwei anderen Fahrzeugen kreuz und quer durch die Wüste Es ist etwas holprig! Endlich gefunden. Der Ballon liegt ausgelegt vor uns und wird mit heisser Luft gefüllt. Es ist der grösste Ballon der Region und fasst 20 Passagiere plus den Piloten. Wir hieven uns in den Korb und schon hebt der Ballon in der Morgendämmerung ab und gleiten über die Wüstenlandschaft. Als erstes manövriert uns der Pilot zwischen zwei Felsen. Doris stockt bereit der Atem, aber der Pilot hat alles im Griff. Beim Sonnenaufgang rotiert der Ballon um die eigene Achse, so dass alle im Korb das Schauspiel miterleben können. Wir steigen bis auf 1'200 m Höhe und haben so eine wunderbare Sicht über die Gegend. Nach 50 Minuten landen wir sanft und die nächsten Gäste stehen schon bereit. Traditionellerweise stossen wir nach einer Ballonfahrt mit einem (hier alkoholfreien) Getränk an. Prost! Nach dem Frühstück holt uns Said mit seinem kleinen Sohn Tamin ab. Wir haben eine Wüstentour gebucht. Wir sitzen auf der Ladefläche des Pick-ups. Wir halten uns fest und schon brausen wir los. Zuerst geht es zu einer Sanddüne, von der man auf einen Felsen steigen kann und eine tolle Aussicht hat. Danach geht’s zu Felszeichnungen, die bis zu 12'000 Jahre alt sein sollen. Der kleine Tamin führt uns in den Siq und zeigt uns die Zeichen, die in die Felsen geritzt sind. Als nächstes klettern wir auf eine Natur-Felsbrücke und Tamin macht Fotos von uns. Weiter geht es rumpelnd auf Sandpisten durch die Wüste, hier soll irgendwo das Haus von Lawrence of Arabia gestanden haben. Na ja!!Zur Mittagspause bringt uns Said an einen Schattenplatz direkt an einem grossen, gelben Felsen. Said rüstet frisches Gemüse und gart dieses in einem Dampfkochtopf. Ein fantastisches Wüstenmenu! Danach legen wir uns alle hin und schlafen oder dösen sicher 2 Stunden. Dann fahren wir zu einem Pilzfelsen und zu einem Canyon. Said lädt uns aus und lädt uns nach einem Walk von 30 Minuten auf der anderen Seite der Schlucht wieder auf. Dann geht’s zum Camp zurück, den Sonnenuntergang lassen wir sausen, weil es aufgrund des Dunstes nicht viel zu sehen gibt. Wir erholen uns ein paar Stunden und geniessen das gleiche Nachtessen-Menu wie gestern.


10. Tag, Samstag, 10. Oktober 2026


Wadi Rum – Aqaba                                                  73 km

Die ganze Nacht hat es gewittert, und auch am Morgen noch Blitz, Doner und immer wieder Regenschauer. Glück gehabt gestern, heute wäre ein Ballonflug unmöglich. Unter dem Bett von Cornelia hat sich eine Wasserlache gebildet. Warum überrascht mich das nicht? Bei dieser Bauweise! Nach dem Morgenessen holt uns Salman ab und wir fassen unser Auto wieder und fahren aus der Wüste hinaus. Kurz vor dem Einbiegen kommt uns ein Pick-up auf unserer Strassenseite entgegen. Fertiger Trottel, Glück gehabt, wir können ausweichen! Auf der Autobahn sind wieder hunderte von Lastwagen unterwegs, aber die Strasse ist sehr gut ausgebaut und wir kommen gut voran. In Aqaba checken wir im 5-Sterne-Hotel Al Manara- direkt am Roten Meer - ein, ruhen uns aus und gehen im Pool und im Roten Meer baden, bis wieder ein Gewitter im Anzug ist. Für den Schlummerbecher laufen wir ins nahe Hilton. Wir haben im Restaurant im 7. Stock mit Martina abgemacht. Von hier aus haben wir eine schöne Sicht über die Stadt und ans andere Ufer des Roten Meeres, nach Israel. Mit Martina machen wir für morgen ab für eine Bootstour auf dem Roten Meer, mit baden und schnorcheln.

 

11. Tag, Sonntag, 11. Oktober 2026


Aqaba

Gegen 10.00 Uhr laufen wir zum Bootshafen und verpflegen uns unterwegs in einem kleinen, herzigen Kaffee-Lokal, bevor wir uns mit Martina und Tochter Priska zum Ausflugsboot begeben. Martina hat Beziehungen zu den Besitzern und ist froh, wenn sie jemanden vermitteln kann. Denn auch hier hat es aus bekannten Gründen sehr wenige Touristen. Mit uns ist noch eine 10-köpfige, tschechische Reisegruppe an Bord. Wir fahren langsam der Küste entlang Richtung Saudi-Arabien. Es gibt einen ersten Schnorchel-Halt und die meisten begeben sich ins Wasser. Wir bleiben an Bord, wir sind keine Wasserratten. Beim zweiten Tauchgang geht Cornelia mit Martina schnorcheln. Martina hat eine Unterwasserkamera dabei und so können wir nachher auch teilhaben an der faszinierenden Unterwasserwelt. Farbige Fische und schöne Weich- und Hart-Korallen. Unterdessen hat der Kapitän Saif den Grill eingefeuert. Mittagessen, Poulet und Fisch mit Salat, Humus und Fladenbrot. Mega fein!Den restlichen Nachmittag verbringen an unserem wunderbaren Pool und schwimmen auch in der Meereslagune. Am Abend geniessen wir den traumhaften Sonnenuntergang über dem Roten Meer und das anschliessende Gewitterspektakel auf dem Balkon. Wo Nachtessen? Wir entscheiden uns für das Hotel-Restaurant, hat zwar das Flair eines Schlachthauses und ist proppenvoll mit muslimischen Frauen, die das grosse Buffet plündern. Das nette Personal findet trotzdem einen Platz für uns. Doris entscheidet sich für das Buffet und Cornelia und ich für die Spaghetti. Tut gut, wieder mal Pastas zu essen!


12. Tag, Montag, 12. Oktober 2026


Aqaba

Den heutigen Tag verbringen wir am Pool. Körper und Seele baumeln lassen. Hin und wieder fliegen grosse Militär-Transport-Flugzeuge über die Stadt. Nachschub? Für wen und was? Wir wissen es nicht. Am Abend dann wieder ins Hotel-Restaurant und diesmal hat es gerade mal fünf Gäste – inkl. uns. Bei diesem warmen Sommerabend geniessen wir alle drei Spaghetti auf der Terrasse und gönnen uns einen jordanischen Rotwein (Merlot). Der war definitiv trinkbar.


13. Tag, Dienstag, 13. Oktober 2026


Aqaba – Dana                                                              182 km

Um 09.00 Uhr checken wir aus und fahren auf der Autobahn Richtung Norden. Wieder sind viele Camions unterwegs. Die Camions haben in Richtung Norden bis Amman eine eigene Spur. Vor allem bei den vielen Steigungen hat man das Gefühl es seien Kriechtiere unterwegs! Punkt 12.00 Uhr kommen wir in Dana an. Dana ist ein historisches Dorf an einem Hang, teils verfallen, teils wieder instand gestellt und bewohnt. Wir können hier parkieren und werden abgeholt. Auf z.T. krimineller Strasse kommen wir bei der Lodge an. Die Gebäude sind wie auf einem Adlerhorst in den steilen Hang gebaut. Wir ruhen uns etwas aus und, bevor unsere gebuchte Wanderung mit dem Guide losgeht. Wir müssen wieder zurückfahren ….. den ersten Teil der Strecke laufen wir aber – eben zu abenteuerlich! Unterwegs gabeln wir unseren Führer auf und wenig später sind wir am Ausgangspunkt.  Unser humorvoller und gewandter Guide führt uns gekonnt durch die Felsen, lässt uns etwas herumkraxeln und informiert uns über Kultur (die Nabatäer waren hier, bevor sie nach Petra weiterzogen), Fauna (Schildkröten, Echsen, Wildkatzen, Wildschweine usw.) sowie Flora (hab ich vergessen).  Er zeigt uns die Wasservorratskammern der Nabatäer. Exkremente von netten (Vegetarier) und bösen (Raubtiere) Tieren und führt uns immer wieder zu tollen Aussichtspunkten. Unterwegs kocht er uns über dem offenen Feuer Tee und erzählt von seiner Familie. Er hat 2020 als selbständiger Guide angefangen, dann kam Covid (null Touristen), danach lebte der Tourismus knapp zwei Jahre etwas auf, dann der Palästina/Israel-Krieg und nun noch der Iran-Krieg. Der Tourismus-Umsatz ist zu 90 % eingebrochen und wie soll er seinen vier Kindern ein Uni-Studium finanzieren? Solche Geschichten hören wir überall und machen uns traurig und nachdenklich. Rund vier Stunden waren wir mit dem Guide unterwegs und die waren sehr kurzweilig. Auch das Abendessen war wieder sehr fein, es wurde von einer Tante im Dorf gekocht und in die Lodge geliefert.


14. Tag, Mittwoch, 14. Oktober 2026


Dana – Amman                                                           209 km

Nach dem Morgenesse fährt uns der Chef mit seinem Auto ins alte Dorf Dana, wo wir unser Auto parkiert haben. Wir bummeln durch das Dörfchen und treffen auf einen jungen Holländer, der auf einem 6-Tages Trail unterwegs ist und sich hier mit Wasser eindeckt. Mutig, mutig, so allein durch diese unwirtliche Gegend zu wandern. Die Fahrt nach Amman ist problemlos, alles auf einer gut ausgebauten Autobahn. Wir checken im Hotel Antonio ein, ein günstiges, aber sauberes Hotel, direkt gegenüber dem Amphitheater. Cornelia und ich fahren zur Autovermietung und geben das Auto ab, kein Problem. Mit Uber zurück ins Hotel und nichts wie los, etwas von Amman zu entdecken. Den ersten Tag haben wir ja wegen des abgesagten Fluges verpasst. Von unserem Zimmer aus haben wir direkt auf das über 2000 Jahre alte Amphitheater gesehen, Das schauen wir uns nun an. Wow, ist das steil! Das Theater fasste früher über 6000 Personen. Danach laufen wir zu Zitadelle auf dem gegenüberliegenden Hügel hoch. Auch hier wieder geschichtsträchtige Ausgrabungen, Säulen, Höhlen und ein Mosaik. Im Museum bewundern wir die 8000 alten Figuren, die auf dem Titelbild unseres Reiseführers abgebildet sind .Bei Sonnenuntergang geniessen wir unser letztes, typisches Mahl bevor wir im Hotel definitiv packen.


15. Tag, Donnerstag, 15. Oktober 2026


Mit Uber fahren wir in rund 40 Minuten zum Flughafen. Alles klappt wunder bar, ein ruhiger Flug mit gutem Essen. Die Royal Jordanian will wohl wieder gutmachen, was sie uns mit dem abgesagten Flug auf dem Hinweg angetan hat! Glatte Landung in Zürich und mit der SBB sind wir gegen Abend wieder in Grenchen.


Zusammenfassung                                 Total 1'035 km

Wir bereuen nicht, dass wir diese Reise angetreten haben, auch wenn die Sicherheitslage im ganzen Gebiet etwas angespannt war. Wir haben viele nette Menschen angetroffen, die es sonst schon nicht leicht haben im Leben und durch den ausfallenden Tourismus noch mehr leiden. Eine Reise mit einem Mietauto ist problemlos möglich, die Strassen sind sehr gut (ausser man will in die Wüste).  Die meisten Unterkünfte hatten wir im Voraus reserviert. Das Essen war gut, Poulet- oder Lammfleisch, Gemüse mit Kartoffeln oder Reis.Höhepunkt waren für uns Petra, das Tote Meer und der Ballonflug über die Wüste. Aber viele andere Sehenswürdigkeiten sind auch eine Reise wert. Jordanien, wir hoffen, dass bald Friede in diese Region einkehrt, und das Land für den Tourismus wieder interessant wird.

 
 
 

Kommentare


bottom of page